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Equity Research Initial Coverage: RELX plc – Die KI-getriebene Cash-Machine im Fokus
Mit dieser Studie nehmen wir die Abdeckung der RELX plc (ISIN: GB00B2B0DG97 / Ticker: REL LN, REN NA, RELX US) auf. Das Unternehmen hat sich über die vergangenen zwei Jahrzehnte hinweg durch eine konsequente strategische Portfolio-Transformation von einem traditionellen Druck- und Medienverlag zu einem weltweit führenden Anbieter von informationsbasierten Analysen, Entscheidungs-Tools und proprietären Datenplattformen entwickelt. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 74 Milliarden GBP zählt RELX zu den wertvollsten und profitabelsten Daten- und Technologiekonzernen Europas. Die Kombination aus tief in B2B-Arbeitsabläufe eingebetteten Softwarelösungen, hochentwickelten Algorithmen der künstlichen Intelligenz (KI) und unersetzlichen Datensätzen verschafft dem Unternehmen ein außergewöhnliches Qualitätsprofil mit hervorragend planbaren, hochprofitablen und rezessionsresistenten Cashflows.
Geschäftsmodell
Executive Summary & Investment Thesis
Die Investment Story von RELX basiert auf der verlässlichen Transformation eines klassischen Informationsanbieters in eine globale, KI-getriebene Daten- und Analyse-Plattform. Das Unternehmen agiert als unverzichtbarer Infrastrukturanbieter für Kanzleien, Wissenschaftler, Finanzinstitute, Versicherungen und Unternehmenskunden weltweit. Die operative Stärke von RELX stützt sich auf vier zentrale Pfeiler, die im Zusammenspiel eine überlegene Eigenkapitalrendite und eine stetige Wertsteigerung für die Aktionäre garantieren:
Strukturelle Beschleunigung des organischen Umsatzwachstums: Die fortschreitende Umstellung des Produktportfolios von statischen Datenbanken hin zu prädiktiven Analysen und generativen KI-Entscheidungstools treibt das organische Umsatzwachstum nachhaltig an. Für das Geschäftsjahr 2025 berichtete RELX ein unterliegendes Umsatzwachstum (underlying revenue growth) von +7 % auf 9.590 Millionen GBP. Dieser Wachstumspfad wird maßgeblich durch die stetig steigende Nachfrage nach komplexen Risikomanagement- und Rechtsanalyselösungen getrieben.
Stetige Margenexpansion durch operative Skaleneffekte: Das Geschäftsmodell zeichnet sich durch eine vorbildliche Kostendisziplin aus. Das Management verfolgt das strikte Ziel, das unterliegende Kostenwachstum konsequent unter dem unterliegenden Umsatzwachstum zu halten. Dies führte im Geschäftsjahr 2025 zu einer erneuten Ausweitung der bereinigten operativen Gewinnmarge (Adjusted Operating Margin) um 90 Basispunkte auf 34,8 % (nach 33,9 % im Jahr 2024). Der bereinigte operative Gewinn stieg unterliegend um +9 % auf 3.342 Millionen GBP.
Herausragende Cash-Generierung und disziplinierte Kapitalallokation: Mit einer operativen Cashflow-Konvertierung von 99 % und einem freien Cashflow von 2.313 Millionen GBP generiert RELX substanzielle liquide Mittel. Das Unternehmen nutzt diese Stärke für eine Aktionärspolitik, die stetige Dividendensteigerungen mit umfangreichen Aktienrückkäufen kombiniert. Für das Jahr 2025 wurde die Dividende um +7 % auf 67,5p angehoben. Neben Aktienrückkäufen im Umfang von 1,5 Milliarden GBP im Jahr 2025 kündigte das Management für 2026 eine Aufstockung des Rückkaufprogramms auf 2,25 Milliarden GBP an.
Künstliche Intelligenz als Burggraben-Verstärker: Während am Markt zeitweise die Sorge herrschte, dass generative KI-Modelle das Geschäft traditioneller Datenanbieter kommoditisieren könnten, zeigt die Praxis bei RELX das Gegenteil. Das Unternehmen nutzt seine geschützten, verifizierten Datenbestände als geschlossene Wissensbasis für eigene KI-Assistenten wie Lexis+ AI, Protégé oder ClinicalKey AI. Dies eliminiert das Problem von KI-Halluzinationen in kritischen Anwendungsfeldern, steigert den Kundennutzen signifikant und erhöht die Zahlungsbereitschaft der Nutzer nachhaltig.
Unternehmensprofil & Geschäftsmodell
RELX gliedert seine geschäftlichen Aktivitäten in vier globale Segmente: Risk; Scientific, Technical & Medical (STM); Legal; und Exhibitions.
Detaillierte Segmentanalyse
| Segment | Umsatz 2025 (Mio. GBP) | EBIT bereinigt 2025 (Mio. GBP) | Operative Marge 2025 | Unterliegendes Umsatzwachstum | Unterliegendes EBIT-Wachstum | Kernmarken & Produktplattformen |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Risk | 3.485 | 1.305 | 37,4 % | +8 % | +10 % | LexisNexis Risk Solutions, ICIS, Cirium, ThreatMetrix |
| Scientific, Technical & Medical (STM) | 2.714 | 1.035 | 38,1 % | +5 % | +7 % | Elsevier, ScienceDirect, Scopus, ClinicalKey |
| Legal | 1.806 | 415 | 23,0 % | +9 % | +12 % | LexisNexis, Lexis+ AI, Protégé, CourtLink |
| Exhibitions (RX) | 1.186 | 410 | 34,6 % | +8 % | +9 % | RX (Reed Exhibitions) |
| Gesamt Konzern | 9.590 | 3.342 | 34,8 % | +7 % | +9 % | RELX Group |
| Segment | Revenue 2025 (GBP million) | Adjusted EBIT 2025 (GBP million) | Operating Margin 2025 | Underlying Revenue Growth | Underlying EBIT Growth | Core Brands & Product Platforms |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Risk | 3,485 | 1,305 | 37.4% | +8% | +10% | LexisNexis Risk Solutions, ICIS, Cirium, ThreatMetrix |
| Scientific, Technical & Medical (STM) | 2,714 | 1,035 | 38.1% | +5% | +7% | Elsevier, ScienceDirect, Scopus, ClinicalKey |
| Legal | 1,806 | 415 | 23.0% | +9% | +12% | LexisNexis, Lexis+ AI, Protégé, CourtLink |
| Exhibitions (RX) | 1,186 | 410 | 34.6% | +8% | +9% | RX (Reed Exhibitions) |
| Consolidated Total | 9,590 | 3,342 | 34.8% | +7% | +9% | RELX Group |
Im Segment Risk, dem größten und gewinnstärksten Bereich des Konzerns, unterstützt RELX Unternehmenskunden und Behörden bei der Betrugsprävention, der Identitätsprüfung, der Einhaltung von Geldwäschevorschriften (Financial Crime Compliance) sowie bei versicherungsmathematischen Risikoanalysen. RELX analysiert im LexisNexis Digital Identity Network täglich über 345 Millionen und jährlich mehr als 121 Milliarden digitale Transaktionen. Zudem unterstützt der Bereich US-Sachversicherer bei jährlich über 231 Millionen Versicherungsentscheidungen.
Das Segment Scientific, Technical & Medical (STM) wird dominiert von der Traditionsmarke Elsevier. RELX publiziert einen bedeutenden Teil der weltweiten Primärforschung und stellt wissenschaftliche Datenbanken bereit. Plattformen wie ScienceDirect (Literaturdatenbank) und Scopus (Zitations- und Analysedatenbank) sowie ClinicalKey im medizinischen Bereich sind weltweite Standards an Forschungsuniversitäten, akademischen Einrichtungen und Kliniken.
Das Segment Legal bietet über die Plattform LexisNexis juristische Primär- und Sekundärliteratur, Präzedenzfälle, Gesetzestexte sowie KI-gestützte Analysetools für Anwaltskanzleien, Rechtsabteilungen von Unternehmen und staatliche Institutionen. Die erfolgreiche Markteinführung der generativen KI-Plattformen Lexis+ AI und der nächsten Generation Protégé hat das unterliegende Umsatzwachstum in diesem Bereich auf beeindruckende 9 % beschleunigt.
Das Segment Exhibitions bietet über die Marke RX weltweit B2B-Fachmessen an. Das Geschäft hat sich nach der Pandemie vollständig erholt und profitiert zunehmend von datengetriebenen Netzwerkmöglichkeiten, die den ROI für Aussteller und Besucher erhöhen.
Produktangebot, Monetarisierungsmechanismus und Marktstruktur
RELX vertreibt seine Produkte und Dienstleistungen exklusiv im B2B-Segment. Zu den Kunden zählen 91 % der Fortune-100-Unternehmen, 85 % der Fortune-500-Unternehmen, 9 der 10 größten Banken der Welt, 23 der 25 größten globalen Versicherer sowie 99 % aller US-Auto- und Gebäudeversicherer. Ebenfalls gehören die weltweit führenden Anwaltskanzleien, Regierungsbehörden und Tausende wissenschaftliche Universitätsbibliotheken zum festen Kundenstamm.
Die Monetarisierung erfolgt über zwei hocheffiziente Modelle: Der Hauptteil der Erlöse (54 % des Gesamtumsatzes) basiert auf wiederkehrenden Abonnementverträgen, die typischerweise Laufzeiten von einem bis drei Jahren aufweisen und Verlängerungsraten von über 90 % erzielen. Transaktionsbasierte und volumenabhängige Gebühren machen 39 % des Umsatzes aus, vor allem im Risk-Segment, wo Kunden pro Suchanfrage, Bonitätsprüfung oder Betrugscheck bezahlen. Ausstellungsgebühren auf Fachmessen tragen 12 % bei, während das klassische Printgeschäft nur noch rund 4 % des Gruppenumsatzes ausmacht. Elektronische Formate stellen insgesamt 84 % aller Konzernumsätze.
Das Geschäftsmodell ist transparent und leicht verständlich: RELX sammelt gewaltige Mengen unstrukturierter roher Daten – etwa Gerichtsentscheidungen, wissenschaftliche Manuskripte, Kriminalitätsstatistiken oder Finanztransaktionen –, reichert diese mit eigenen Algorithmen, Taxonomien und KI-Modellen an und bindet sie als essenzielle Softwarewerkzeuge direkt in die Arbeitsprozesse der Kunden ein.
RELX ist in der Branche der professionellen Informationsdienste, Datenanalytik, LegalTech und Risk Analytics tätig. Zu den bekanntesten Konzernmarken gehören LexisNexis, Elsevier, ScienceDirect, Scopus, ClinicalKey, ThreatMetrix, ICIS, Cirium und RX.
Geografisch ist das Unternehmen in über 180 Ländern und Territorien aktiv und unterhält Niederlassungen in rund 40 Ländern. Der operative Schwerpunkt liegt in Nordamerika, das 58 % der Gesamtumsätze beisteuert. Auf Europa entfallen rund 20–25 %, während die verbleibenden Umsätze in den rasch wachsenden Märkten Asiens und Lateinamerikas erwirtschaftet werden. Eine ausgeprägte Marktführerschaft besitzt der Konzern in den USA und Großbritannien.
Der Hauptsitz der RELX PLC befindet sich in London, Vereinigtes Königreich (1-3 Strand, London WC2N 5JR). Die Stammaktien werden an der London Stock Exchange (Ticker: REL) und an der Euronext Amsterdam (Ticker: REN) gehandelt. In den USA sind Sponsor-ADRs an der New York Stock Exchange (Ticker: RELX) gelistet. Das Unternehmen ist Bestandteil wichtiger Aktienindizes, darunter der FTSE 100, der AEX, der STOXX Europe 600 und der MSCI World Index.
Historische Entwicklung, Meilensteine und Anekdoten
Die Ursprünge von RELX reichen bis in das späte 19. Jahrhundert zurück. Die heutige Gesellschaft entstand 1993 aus der Fusion zweier traditionsreicher Verlagshäuser: der britischen Reed International und der niederländischen Elsevier NV.
Albert E. Reed gründete 1894 eine Papiermühle in Kent, England, die sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einem führenden Medien- und Verlagskonglomerat entwickelte. Auf der anderen Seite wurde Elsevier NV 1880 von Jacobus George Robbers in Amsterdam gegründet. Robbers wählte den Namen Elsevier in Anlehnung an die berühmte niederländische Druckerfamilie Elzevir, die im 16. und 17. Jahrhundert Werke von Denkern wie René Descartes, Galileo Galilei und Erasmus von Rotterdam verlegte. Das historische Firmenlogo – ein Einsiedler unter einem von Weinreben umschlungenen Ulmenbaum mit dem lateinischen Spruch „Non Solus“ („Nicht allein“) – symbolisiert bis heute das Zusammenspiel zwischen Wissenschaftler und Verleger und ziert sämtliche wissenschaftlichen Publikationen von Elsevier.
Ein bedeutender strategischer Wendepunkt erfolgte im Jahr 2018: Die historisch gewachsene, überaus komplexe duale Holdingstruktur mit zwei getrennten Muttergesellschaften in London und Amsterdam wurde vollständig aufgelöst und in einer einzigen Konzernmutter, der RELX PLC, vereint.
Über die vergangenen zwei Jahrzehnte hinweg vollzog das Management eine radikale Transformation: Druckerzeugnisse, Publikumszeitschriften, Regionalzeitungen und Papierherstellungssparten wurden systematisch veräußert. Stattdessen reinvestierte RELX die frei werdenden Mittel in den Aufbau massiver Datenbanken, Cybersicherheitslösungen (wie die richtungsweisende Übernahme von ThreatMetrix) und fortschrittliche Analyse-Algorithmen. RELX hat sich somit erfolgreich vom Papierhersteller des 19. Jahrhunderts zum weltweiten KI-Infrastrukturführer des 21. Jahrhunderts gewandelt.
Wettbewerbsvorteil (wirtschaftlicher Burggraben)
RELX verfügt über einen breiten und außergewöhnlich tiefen wirtschaftlichen Burggraben (Wide Economic Moat), der das Geschäft nachhaltig vor Wagnissen und Konkurrenzdruck schützt. Dieser Burggraben spiegelt sich in einer dauerhaft hohen Rendite auf das eingesetzte Kapital wider (Return on Invested Capital, ROIC), die im Geschäftsjahr 2025 bei hervorragenden 15,4 % lag.
Strukturelle Burggraben-Faktoren
Der nachhaltige Wettbewerbsvorteil von RELX beruht auf vier fundamentalen Säulen, die Markteintrittsbarrieren für potenzielle Herausforderer nahezu unüberwindbar machen:
Hohe Wechselkosten (Switching Costs) durch tiefe Workflow-Integration: Die Produkte von RELX sind keine isolierten Softwaretools, sondern essenzieller Bestandteil der täglichen Arbeitsprozesse ihrer Kunden. Wenn eine Großbank ihre Geldwäscheprüfungs- und Anti-Betrugssysteme über Schnittstellen (APIs) an LexisNexis Risk Solutions angebunden hat, erfordert ein Systemwechsel jahrelange Neuprogrammierungen, erneute regulatorische Zertifizierungen und immense Umschulungsaufwände. Auch Juristen, die ihre Rechercheroutinen auf LexisNexis aufgebaut haben, wechseln nicht ohne Not zu Alternativanbietern, da Fehler bei der Rechtsrecherche gravierende haftungsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen können.
Proprietäre, nicht replizierbare Datenbestände: RELX besitzt historische Datenbestände, die sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte akkumuliert haben. Die lückenlose Erfassung weltweiter Gerichtsentscheidungen, urheberrechtlich geschützter wissenschaftlicher Fachaufsätze und Milliarden historischer Konsumenten- und Identitätsdaten lässt sich durch Geld alleine nicht kopieren. Selbst wenn Primärdaten öffentlich zugänglich sind (wie Gerichtsurteile), entsteht der Mehrwert erst durch die strukturierte Aufbereitung, Verschlagwortung und Verknüpfung durch RELX.
Netzwerkeffekte im Risikosegment: Das LexisNexis Digital Identity Network profitiert von starken zweiseitigen Netzwerkeffekten. Je mehr globale Banken, E-Commerce-Konzerne und Versicherer ihre Transaktionsdaten einspeisen, desto präziser werden die Betrugserkennungs-Algorithmen für alle Netzwerkteilnehmer. Ein neuer Wettbewerber ohne Zugriff auf diese gigantische Datenbasis kann mathematisch nicht die gleiche Erkennungsgenauigkeit bieten.
Skalenvorteile bei Forschung und Entwicklung: Die immense Umsatzbasis von knapp 9,6 Milliarden GBP erlaubt es RELX, jährlich dreistellige Millionenbeträge in die Entwicklung moderner KI-Architekturen zu investieren. Kleinere Nischenanbieter können mit diesem Investitionstempo bei der Modellentwicklung und Datensicherheit nicht mithalten.
Burggraben-Dynamik: Die Stärkung des Grabens durch Generative KI
An den Finanzmärkten tauchte mit dem Durchbruch von Large Language Models (LLMs) die Befürchtung auf, dass generische KI-Modelle das Spezialwissen von Datenverlagen obsolet machen könnten. Bei detaillierter Betrachtung erweist sich diese Annahme als unzutreffend: Der Burggraben von RELX verbreitert sich durch generative KI zusehends.
Generische KI-Modelle neigen zu Halluzinationen – sie erfinden im Zweifelsfall Fakten oder Gerichtsurteile. In Anwaltskanzleien, Kliniken oder Compliance-Abteilungen ist dies ein untragbares Risiko. RELX nutzt seine proprietären, verifizierten Datenbestände als geschlossenes Fundament für Anfragen mittels Retrieval-Augmented Generation (RAG). Produkte wie Lexis+ AI oder der KI-Assistent Protégé greifen exklusiv auf die verifizierte Rechtsdatenbank von LexisNexis zu. Sie liefern dadurch präzise, mit Quellen belegte und halluzinationsfreie Antworten. Generative KI verwandelt die unstrukturierten Datenschätze von RELX in noch wertvollere Werkzeuge, was die Kundenbindung weiter stärkt.
Hauptkonkurrenten und Peer Group Vergleich
RELX operiert in einem globalen Oligopol spezialisierter Daten- und Softwareanbieter. Die relativen Marktpositionen stellen sich wie folgt dar:
| Wettbewerber | Überlappende Segmente | Hauptmarken / Produkte | Marktposition im Vergleich zu RELX |
|---|---|---|---|
| Thomson Reuters | Legal, Tax & Accounting | Westlaw, Practical Law, CoCounsel | Bildet zusammen mit RELX ein faktisches Duopol im US-Rechtsmarkt; RELX wächst im Legal-Bereich dank aggressiverer KI-Integration derzeit hochprofitabel. |
| Wolters Kluwer | Legal, Health, Tax & Compliance | UpToDate, CCH Tagetik | Äußerst hochqualitiver Mitbewerber mit Schwerpunkt Steuer und Gesundheit; RELX besitzt demgegenüber das deutlich größere Risk- und Wissenschaftssegment (Elsevier). |
| Verisk Analytics | Risk (Insurance) | ISO, Argus | Stark auf US-Schadenversicherungen fokussiert; RELX deckt ein breiteres Spektrum an Finanzkriminalitäts- und digitalen Identitätslösungen ab. |
| Experian / Equifax | Risk (Credit & Fraud) | Experian Decision Analytics | Wettbewerber bei Konsumentenkrediten; RELX ist stärker bei komplexen Betrugsmustern, Compliance und Sachversicherungen aufgestellt. |
| Informa PLC | Exhibitions | Informa Markets | Größter direkter Konkurrent bei Fachmessen; RELX (RX) zeichnet sich durch eine höhere Marge und stärkere digitale Datenintegration der Events aus. |
| Competitor | Overlapping Segments | Key Brands / Products | Market Position Relative to RELX |
|---|---|---|---|
| Thomson Reuters | Legal, Tax & Accounting | Westlaw, Practical Law, CoCounsel | Forms a virtual duopoly with RELX in the US legal market; RELX is currently growing highly profitably in the Legal segment thanks to more aggressive AI integration. |
| Wolters Kluwer | Legal, Health, Tax & Compliance | UpToDate, CCH Tagetik | Highly high-quality competitor with a focus on Tax and Health; in contrast, RELX owns significantly larger Risk and Science (Elsevier) segments. |
| Verisk Analytics | Risk (Insurance) | ISO, Argus | Strongly focused on US property and casualty insurance; RELX covers a broader spectrum of financial crime and digital identity solutions. |
| Experian / Equifax | Risk (Credit & Fraud) | Experian Decision Analytics | Competitor in consumer credit; RELX is more strongly positioned in complex fraud patterns, compliance and property insurance. |
| Informa PLC | Exhibitions | Informa Markets | Largest direct competitor in trade exhibitions; RELX (RX) is distinguished by higher margins and stronger digital data integration of events. |
Besonderheit des Portfolios und Nischenstellung
RELX verkauft keine austauschbaren Massenwaren („Commodity“). Das Unternehmen nimmt in seinen Kernbereichen absolut dominierende Marktstellungen ein. Im Wissenschaftsbereich ist Elsevier der weltgrößte Fachverlag mit einem geschätzten Marktanteil von über 25 % an allen publizierten Peer-Review-Artikeln. Im Rechtsbereich kontrollieren LexisNexis und Thomson Reuters (Westlaw) den Großteil des anglo-amerikanischen Marktes. Im Bereich Financial Crime Compliance ist LexisNexis Risk Solutions der unangefochtene Goldstandard für Großbanken.
Preissetzungsmacht (Pricing Power)
Aufgrund der geschäftskritischen Natur der Dienstleistungen verfügt RELX über eine außerordentlich starke Preissetzungsmacht.
Erstens sind die Produkte von RELX für die Kunden nicht-dispositional. Eine Kanzlei oder eine Großbank kann den Zugang zu LexisNexis oder den Risikodatenbanken nicht aussetzen, um Kosten zu sparen, ohne das operative Geschäft unverzüglich stillzulegen oder gegen gesetzliche Bestimmungen zu verstoßen.
Zweitens vollzieht RELX erfolgreich den Wechsel hin zum wertbasierten Pricing (Value-Based Pricing). Da neue KI-Tools wie Lexis+ AI Anwälten oder Forschern nachweislich viele Arbeitsstunden einsparen, kann RELX für diese KI-Erweiterungen deutliche Preisaufschläge durchsetzen. Die jährlichen organischen Preiserhöhungen liegen verlässlich über der allgemeinen Inflationsrate und unterstreichen die herausragende qualitative Stärke der RELX-Aktie im globalen Daten- und Softwaresektor.
Branchenanalyse, SWOT & Governance
Branchenstruktur & Makro-Umfeld
Marktdynamik, Wachstumstreiber und strukturelle Trends
Die Branche der professionellen Informations-, Daten- und Analysedienste befindet sich in einer tiefgreifenden, langfristigen Transformationsphase. Der globale Markt für B2B-Business Information & Analytics verzeichnet ein stetiges Wachstum und expandiert prognostiziert mit rund 5,0 % bis 6,5 % CAGR, während spezialisierte Teilbereiche wie Legal Analytics sogar jährliche Wachstumsraten von über 15,6 % aufweisen. Das klassische Bereitstellen von reinen PDF-Dokumenten, Fachzeitschriften oder unstrukturierten Gesetzestexten verliert branchenweit an Bedeutung und weicht hochintegrierten, Software-basierten Entscheidungs-Plattformen.
Drei übergeordnete strukturelle Trends treiben diese Dynamik maßgeblich an:
- Exponentielles Datenwachstum und zunehmende Betrugskomplexität im Risk-Segment: Die voranschreitende Digitalisierung im globale Finanzsektor, im E-Commerce und bei Versicherungen erzeugt gigantische Datenmengen, erhöht jedoch gleichzeitig die Anfälligkeit für Cyberkriminalität, Identitätsdiebstahl und Geldwäsche. Finanzinstitute und digitale Marktplätze sind gezwungen, Transaktionen in Echtzeit zu überprüfen, um Schäden zu minimieren und regulatorischen Auflagen gerecht zu werden. Dies erfordert automatisierte Risikobewertungen auf Basis von Milliarden historischer Identitäts- und Transaktionspunkte, was Anbietern von weltweiten Datennetzwerken wie LexisNexis Risk Solutions stetige Volumenzuwächse beschert.
- Strukturelle Effizienzsteigerung im Legal- und Wissenschaftsmarkt: Anwaltskanzleien, Unternehmens-Rechtsabteilungen und Forschungseinrichtungen stehen unter fortlaufendem Kostendruck. Die traditionelle, manuelle Recherche in Präzedenzfällen, Verträgen oder Fachliteratur bindet wertvolle Kapazitäten. Die Branche wandelt sich folglich von einem zeitbasierten Abrechnungsmodell hin zu KI-unterstützten Produktivitäts-Tools. Plattformen, die in der Lage sind, komplexe juristische Analysen oder wissenschaftliche Literatur-Synthesen in Sekunden durchzuführen, schaffen einen unschätzbaren Mehrwert und heben die Zahlungsbereitschaft der Unternehmenskunden deutlich an.
- Evolution des wissenschaftlichen Publikationswesens (Open Access vs. Workflow Analytics): Im Wissenschaftssegment (STM) findet eine Verschiebung von reinen Zeitschriften-Abonnements hin zu Hybrid- und Open-Access-Modellen (OA) statt. Während das Publizieren durch Autor-Gebühren (Article Processing Charges, APCs) monetarisiert wird, verlagert sich der primäre Werttreiber zunehmend auf höherwertige Analyse-Tools zur Forschungsbewertung, Fördergeld-Allokation und klinischen Diagnostik-Unterstützung (wie Scopus, SciVal und ClinicalKey AI).
Regulatives Umfeld, geopolitische Einflussfaktoren und technologische Disruptionen
Das operative Umfeld von RELX ist von einem komplexen Geflecht aus regulatorischen Vorgaben und geopolitischen Spannungen geprägt, welche paradoxerweise maßgeblich zur Festigung der Marktposition etablierter Anbieter beitragen:
Regulatorisches Umfeld & Datenschutzgesetze: Globale Datenschutz-Frameworks wie die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO/GDPR), der California Consumer Privacy Act (CCPA) sowie der neu in Kraft getretene EU AI Act stellen extrem hohe Anforderungen an den Umgang mit personenbezogenen Daten und den Einsatz künstlicher Intelligenz. Während strenge Datenschutzauflagen für kleinere Wettbewerber oder KI-Start-ups eine erhebliche Eintrittsbarriere darstellen, verfügt RELX über die finanziellen und juristischen Ressourcen, um eine vollständige Compliance seiner Systeme zu garantieren. Zudem verlangen Firmenkunden im Rechts- und Finanzbereich absolut auditierbare, rechtlich abgesicherte KI-Modelle. Die strengen KI-Regularien begünstigen daher Akteure mit geschlossenen, urheberrechtlich einwandfreien Datenbasen.
Geopolitische Dynamiken und Sanktions-Regime: Die Zunahme geopolitischer Konflikte, verschärfte Handelssanktionen (z. B. gegen Russland oder spezifische Technologieunternehmen) sowie international koordinierte Initiativen gegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche (AML) führen zu einer permanenten Verschärfung globaler Compliance-Vorschriften. Banken und Konzerne stehen unter enormem rechtlichen Druck, sämtliche Lieferketten und Geschäftspartner lückenlos zu überprüfen. Dieser regulatorische Rückenwind sorgt für eine strukturell steigende Nachfrage nach den Echtzeit-Compliance-Datenbanken von RELX.
Open-Access-Initiativen in der Forschung: Staatliche Forschungsförderer in Europa (z. B. im Rahmen von Plan S) und den USA (OSTP-Richtlinien) fordern eine kostenlose Zugänglichkeit öffentlich finanzierter Forschungsergebnisse. Dieser politische Druck hat das traditionelle Paywall-Geschäftsmodell von Fachverlagen unter Zugzwang gesetzt. RELX hat auf diesen Wandel frühzeitig reagiert: Elsevier hat sich zum weltweit größten Open-Access-Verleger entwickelt und kompensiert entfallende Subskriptionseinnahmen durch APCs sowie den Ausbau profitabler medizinischer und wissenschaftlicher Softwarewerkzeuge.
Technologische Disruption durch Generative KI: Die Entstehung leistungsfähiger, frei zugänglicher Large Language Models (LLMs) barg potenziell das Risiko einer Kommoditisierung der Rechts- und Recherchebranche. Es hat sich jedoch gezeigt, dass frei verfügbare KI-Modelle ohne spezialisierten Datenkontext wegen ihrer Neigung zu Halluzinationen in regulierten Sektoren unbrauchbar sind. RELX nutzt diesen technologischen Umbruch aktiv als Enabler, indem es eigene generative KI-Schichten auf seine urheberrechtlich geschützten Datensätze legt und dadurch Produktivitätssprünge für seine Kunden realisiert.
SWOT-Analyse
Die nachfolgende SWOT-Analyse fasst die internen Stärken und Schwächen sowie die externen Chancen und Risiken der RELX plc zusammen:
Stärken (Strengths)
Datenmonopole: Einzigartige, historisch gewachsene und nicht replizierbare Datenmonopole in den Bereichen Recht, Wissenschaft, Medizin und digitale Identitätsprüfung.
Exzellentes Finanzprofil: 34,8 % operative Marge, 15,4 % ROIC und eine hochgradig planbare Erlösstruktur (54 % Abonnements, 39 % verbrauchsbasierte Erlöse).
Phänomenale Cashflow-Generierung: 99 % Cash-Conversion und über 2,3 Mrd. GBP FCF.
Hohe Preissetzungsmacht: Außergewöhnliche Preissetzungsmacht durch tiefe Einbettung in geschäftskritische B2B-Workflows der Kunden (hohe Wechselkosten).
KI-Pionierrolle: Technologische Führungsposition bei der kommerziellen Integration generativer KI (z. B. Lexis+ AI, Protégé, ClinicalKey AI).
Schwächen (Weaknesses)
Geografische Konzentration: Geografische Umsatzkonzentration auf Nordamerika (58 % des Gesamtumsatzes), was eine gewisse Abhängigkeit von US-Rechts-, Versicherungs- und Finanzmärkten erzeugt.
Reputationsrisiko bei Elsevier: Anhaltende Reputationsrisiken im STM-Segment bezüglich der Preisgestaltung und der historischen Marge von Elsevier gegenüber akademischen Institutionen.
Exposition gegenüber Zyklik: Verbleibende operative Exposition gegenüber zyklischen Märkten im Segment Exhibitions (12 % Umsatzbeitrag) sowie einem auslaufenden Printgeschäft (4 %).
Gelegenheiten (Opportunities)
Value-Based Pricing: Bepreisungsmöglichkeiten durch die Durchsetzung von „Value-Based Pricing“ bei neuartigen KI-Workflow-Tools, was ein höheres organisches Umsatzwachstum ermöglicht.
Boom bei Fraud Prevention: Exponentieller Anstieg der weltweiten Nachfrage nach Fraud-Prevention- und Anti-Geldwäsche-Lösungen im Zuge des boomenden E-Commerce und FinTech-Sektors.
Regulatorische Komplexität: Zunehmende regulatorische Komplexität weltweit (EU AI Act, ESG-Reporting, Sanctions), die Kunden verstärkt in die Arme von professionellen Datenplattformen treibt.
Gezieltes M&A: Gezielte Ergänzung des Portfolios durch disziplinierte M&A-Übernahmen (Bolt-on Acquisitions) in hochwachsenden Nischen wie Aviation-, Healthcare- oder Cyber-Data.
Bedrohungen (Threats)
Open-Access-Verschärfung: Radikale regulatorische Verschärfung von Open-Access-Mandaten, die das klassische Subskriptionsmodell im STM-Bereich schneller als erwartet aushöhlen könnte.
Open-Source-KI: Schnelle Weiterentwicklung von Open-Source-LLMs oder neuen Big-Tech-Lösungen, die die Zahlungsbereitschaft für Standard-Rechercheaufgaben senken könnten.
Datenschutz-Restriktionen: Strenge Einschränkungen der weltweiten Datenschutzgesetzgebung bei der Nutzung von Drittanbieter-Daten für Betrugserkennung und Konsumenten-Profiling.
Makroökonomische Schocks: Makroökonomische Schocks oder geopolitische Krisen, welche die Budgets von Kanzleien belasten oder die Durchführung physischer B2B-Messen beeinträchtigen.
Ausführliche SWOT-Erläuterung
Stärken (Strengths)
RELX verfügt über eine unangefochtene Marktstellung, die auf unersetzbaren Datenschätzen beruht. Die Kombination aus jahrhundertealter wissenschaftlicher und juristischer Dokumentation mit Milliarden täglicher Echtzeit-Transaktionsdaten im Risk-Bereich lässt sich von Wettbewerbern schlichtweg nicht kopieren. Das Finanzprofil sucht europäisch seinesgleichen: Eine bereinigte operative Gewinnmarge von 34,8 %, gepaart mit einer wiederkehrenden Erlösbasis von über 90 % (Abonnements und vertraglich fixierte Transaktionen) und einer Cash-Conversion von 99 %, garantiert selbst in schweren Rezessionen stabile Erträge. Die tief in Kundensoftware integrierten Tools führen zu extrem hohen Wechselkosten, was RELX eine echte Preissetzungsmacht verleiht.
Schwächen (Weaknesses)
Obwohl RELX global aufgestellt ist, stammt der Bärenanteil der Erlöse (58 %) aus Nordamerika. Eine veränderte US-Regulierung, Justizreformen oder ein Schock im US-Finanz- und Versicherungssektor würden den Konzern überproportional treffen. Zudem haftet dem Segment STM (Elsevier) in akademischen Kreisen seit Jahren die Kritik an, übermäßig hohe Margen auf Kosten öffentlich finanzierter Forschung zu erzielen. Dies führt regelmäßig zu zähen Preisverhandlungen mit Universitätskonsortien. Schließlich bringt das Segment Exhibitions trotz starker Erholung eine gewisse Zyklizität mit sich.
Gelegenheiten (Opportunities)
Der entscheidende Wachstumstreiber der kommenden Jahre ist die Monetarisierung generativer KI. Durch den Übergang von rein nutzerbasierten Lizenzen hin zu wertorientierten Preisen (Value-Based Pricing) kann RELX spürbar höhere Erlöse pro Kundenarbeitsplatz durchsetzen. Ebenso bietet das globale Wirtschaftsumfeld mit rasant steigenden Fällen von Online-Betrug und Geldwäsche immense Expansionschancen für LexisNexis Risk Solutions. Die extrem hohe Cash-Generierung gibt dem Management zudem das Werkzeug an die Hand, fortlaufend spezialisierte Daten-Start-ups aufzukaufen und das Ökosystem strategisch zu verstärken.
Bedrohungen (Threats)
Die primäre fundamentale Gefahr liegt in potenziell disruptiven Regulierungsschritten im Bereich Wissenschaftspublizistik. Sollten Regierungen weltweit eine sofortige, kostenlose Veröffentlichung aller Forschungsergebnisse erzwingen und die Autorengeschäftskosten deckeln, könnte dies die Profitabilität von Elsevier belasten. Zudem könnten kontinuierliche Fortschritte bei Open-Source-KI-Modellen den Wert einfacher Recherchen reduzieren. Im Risk-Segment stellen strengere Gesetze zum Schutz von Konsumentendaten (Einschränkungen beim Scraping oder Verknüpfen individueller Finanz- und Verhaltensdaten) ein latentes Risiko dar.
Managementqualität und Kapitalallokation
Führungsteam und Korporative Governance
RELX wird von einem außergewöhnlich erfahrenen, stabilen und im Kapitalmarkt hochgeschätzten Managementteam geleitet. Die Beständigkeit an der Konzernspitze ist einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren für die reibungslose strategische Transformation des Konzerns:
Chief Executive Officer (CEO) – Erik Engstrom: Erik Engstrom (schwedischer Staatsbürger, Ausbildungen an der Royal Institute of Technology Stockholm, der Stockholm School of Economics sowie Harvard Business School MBA) leitet das Unternehmen seit November 2009 als CEO. Zuvor war er als Executive Director bei Elsevier und in Führungspositionen bei Bantam Doubleday Dell, Random House und der Boston Consulting Group tätig. Engstrom gilt als Architekt des modernen RELX-Konzerns. Unter seiner mehr als 15-jährigen Führung wandelte sich das Unternehmen konsequent von einem verschachtelten Print-Verlag zu einem fokussierten, hochprofitablen KI- und Datenkonzern. Engstrom genießt bei institutionellen Investoren das höchste Vertrauen, da er Strategieentscheidungen uneingeschränkt am langfristigen FCF pro Aktie ausrichtet.
Chief Financial Officer (CFO) – Nick Luff: Nick Luff ist seit 2014 CFO von RELX. Er verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in komplexen Großkonzernen und war zuvor Finanzvorstand beim Energiekonzern Centrica sowie bei der BG Group plc. Luff steht für eine kompromisslose Finanzdisziplin, akribisches Kostenmanagement und eine transparente Berichterstattung.
Chair of the Board – Paul Walker: Paul Walker fungiert als unabhängiger Aufsichtsratsvorsitzender. Er bringt langjährige Erfahrung aus der Führung internationaler Technologie- und Softwarekonzerne mit (u. a. langjähriger CEO der Sage Group).
Das Managementteam wirkt in hohem Maße kompetent, sachlich und ehrlich. Die Kommunikation mit dem Kapitalmarkt ist seit Jahren von Understatement, Zuverlässigkeit und hoher Prognosegenauigkeit geprägt. Die Qualität der Corporate Governance spiegelt sich auch in externen ESG-Bewertungen wider: RELX hält seit zehn Jahren in Folge das AAA-Höchstrating bei MSCI ESG, belegt bei Sustainalytics einen Platz in den obersten 1 % von über 14.700 bewerteten Unternehmen weltweit und ist im S&P Global Sustainability Yearbook gelistet. Zudem erreicht die interne Mitarbeiterzufriedenheit (eNPS) regelmäßig historische Höchststände.
Management-Anreize und Ausrichtung der Vergütung
Die Vergütungsstruktur der Vorstände ist strikt an die langfristige fundamentale Wertschöpfung für die Aktionäre gekoppelt. Die variablen Vergütungselemente (Short-Term & Long-Term Incentives) basieren auf klar definierten, hart überprüfbaren Kennzahlen:
- Bereinigtes EPS-Wachstum (Adjusted EPS Growth): Stellt sicher, dass das Management den Gewinn pro Aktie stetig steigert.
- Kapitalrendite (Return on Invested Capital, ROIC): Garantiert, dass Reinvestitionen und M&A-Transaktionen wertgenerierend oberhalb der Kapitalkosten (WACC) getätigt werden.
- Unterliegendes Umsatzwachstum (Underlying Revenue Growth): Belohnt echtes, organisches Wachstum anstelle von rein eingekauften Umsätzen.
- Nachhaltigkeit & ESG-Ziele: Messbare Fortschritte in den Bereichen Datensicherheit, Vielfalt und ökologische Fußabdrücke fließen direkt in die Vorstandsvergütung ein.
Die Vorstände sind zudem verpflichtet, beträchtliche Mindestbestände an RELX-Aktien zu halten (typischerweise das Mehrfache ihres Jahresgrundgehalts), was zu einer vollständigen Interessenskongruenz (Alignment) zwischen Management und Aktionären führt.
Kapitalallokation: Reinvestition, Dividenden, Aktienrückkäufe und M&A
Das Management verfolgt ein klar strukturiertes, hochdiszipliniertes Kapitalallokationsmodell, das systematisch Wert für die Aktionäre schafft:
Reinvestition in das Kerngeschäft: RELX reinvestiert kontinuierlich etwa 5 % des Jahresumsatzes als CapEx / F&E in die Weiterentwicklung der eigenen Softwareplattformen, Cloud-Infrastrukturen und KI-Modelle. Diese organische Innovation garantiert den Erhalt des technologischen Vorsprungs, ohne die Bilanz zu belasten.
Disziplinierte M&A-Strategie („Bolt-on Acquisitions“): RELX tätigt prinzipiell keine spekulativen, hochriskanten Großfusionen. Stattdessen setzt das Management auf gezielte, kleinere Ergänzungsübernahmen (Bolt-on Acquisitions). Im Geschäftsjahr 2025 wurden insgesamt fünf Unternehmen für eine Gesamtsumme von 270 Millionen GBP erworben, um spezifische Datensätze oder KI-Funktionalitäten einzukaufen. Alle Zukäufe müssen strenge Verzinsungsanforderungen erfüllen und werden rasch auf die zentrale Technologieplattform integriert.
Verlässliche und steigende Dividende: RELX verfolgt eine progressive Dividendenpolitik. Die Dividende wird seit über zwei Jahrzehnten kontinuierlich angehoben. Für das Geschäftsjahr 2025 wurde die Ausschüttung um +7 % auf 67,5p je Aktie erhöht. Die Dividende ist durch den freien Cashflow hervorragend gedeckt (Payout Ratio rund 50-55 % des bereinigten EPS).
Umfangreiche Aktienrückkäufe: Überschüssige liquide Mittel, die nicht für organisches Wachstum oder M&A benötigt werden, fließen lückenlos über Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurück. Im Jahr 2025 kaufte RELX eigene Aktien im Wert von 1,5 Milliarden GBP zurück. Für das Jahr 2026 kündigte das Management eine weitere Aufstockung des Rückkaufprogramms auf 2,25 Milliarden GBP an. Diese kontinuierliche Reduktion der ausstehenden Aktienanzahl treibt das EPS-Wachstum verlässlich über das reine Gewinnwachstum hinaus.
Bilanzstärke und Verschuldungspolitik: Das Management steuert die Kapitalstruktur sehr konservativ. Die Nettoverschuldung im Verhältnis zum EBITDA lag Ende 2025 bei stabilen 2,0x (nach 1,8x im Jahr 2024). Der Zielkorridor von 2,0x bis 2,5x Net Debt/EBITDA sichert dem Konzern hervorragende Investment-Grade-Kreditratings und einen einfachen Zugang zu den Fremdkapitalmärkten zu sehr günstigen Zinssätzen (durchschnittlicher Effektivzins auf Bruttoschulden von nur 3,9 % im Jahr 2025).
Zusammenfassung: Qualitätseinstufung des Unternehmens
Synthese: „Wunderbares Unternehmen“ vs. „Commodity-Unternehmen“
Nimmt man eine reine qualitative Bewertung des Unternehmens vor – losgelöst von der aktuellen Börsenbewertung und kurzfristigen Marktschwankungen –, so erfüllt RELX in vorbildlicher Weise sämtliche Kriterien eines „wunderbaren Unternehmens“ (Wonderful Business) im Sinne von Warren Buffett.
RELX unterscheidet sich in fundamentaler Weise von einem austauschbaren „Commodity-Unternehmen“. Ein Commodity-Unternehmen verkauft Produkte ohne Alleinstellungsmerkmal, besitzt keinerlei Preissetzungsmacht, leidet unter niedrigsten Margen und ist zyklischen Marktpreisen schutzlos ausgeliefert. RELX hingegen weist das exakte Gegenteil dieser Merkmale auf:
Uneinnehmbarer, sich verbreiternder Burggraben (Wide Economic Moat): Die unersetzlichen, proprietären Datenbestände, gepaart mit tiefen Verankerungen in geschäftskritische B2B-Workflows und starken Netzwerkeffekten im Risikosegment, erzeugen extreme Wechselkosten für die Kunden.
Herausragende Profitabilität und Kapitaleffizienz: Mit einer bereinigten operativen Marge von 34,8 % und einer Kapitalrendite (ROIC) von 15,4 % erwirtschaftet RELX dauerhaft Erträge, die weit über den eigenen Kapitalkosten liegen.
Vorhersehbare, hochgradig rezessionsresistente Cashflows: Dank eines Abonnement- und Transaktionsanteils von über 93 % an den Gesamterlösen sowie einer Cash-Conversion von 99 % generiert das Unternehmen unter allen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen massiven freien Cashflow.
Echte Preissetzungsmacht (Pricing Power): Die geschäftskritische Natur der Produkte erlaubt es RELX, Preiserhöhungen oberhalb der allgemeinen Inflationsrate durchzusetzen und KI-Innovationen über wertbasierte Preismodelle gewinnbringend zu monetarisieren.
Erstklassige Führung und Kapitalallokation: Das Management unter Erik Engstrom agiert als vorbildlicher Sachwalter des Aktionärskapitals. Es kombiniert disziplinierte Reinvestitionen mit wertsteigernden Aktienrückkäufen und stetigen Dividendenanhebungen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass RELX zu den qualitativ hochwertigsten Daten- und Softwarekonzernen der Welt gehört. Das Geschäftsmodell fungiert als hochprofitabler Zinseszins-Effekt-Motor (Compounding Machine). Eine detaillierte Analyse, ob die aktuelle fundamentale Bewertung der Aktie an der Börse diesem außergewöhnlichen Qualitätsprofil angemessen Rechnung trägt oder bereits ein zu hohes Bewertungsaufgeld beinhaltet, ist Gegenstand der nachfolgenden Bewertungs- und Multiplikator-Kapitel dieser Initial Coverage Studie.
Cashflow-Dynamik, Working Capital und Deleveraging
Eines der eindrucksvollsten Kapitel der jüngsten Finanzhistorie von PALFINGER ist die spektakuläre Intensivierung der Cashflow-Generierung. Während der Pandemie- und Lieferkettenkrisen der Jahre 2021 bis 2022 war substanzielles Kapital im Working Capital gebunden. Ab Ende 2023 leitete das Management ein konsequentes Optimierungsprogramm des Net Working Capital (NWC) ein.
Durch den gezielten Abbau von Fertigteillagern, die Straffung von Vorräten und die Optimierung der Forderungslaufzeiten stieg der operative Cashflow stark an. Dies schlug sich in einem Free Cash Flow von 119,5 Mio. EUR im Jahr 2024 sowie einem absoluten Rekord-Free-Cash-Flow von über 180 Mio. EUR im Jahr 2025 nieder. Die FCF-Marge weitete sich von mageren 2,0 % im Jahr 2023 auf hervorragende 7,7 % im Jahr 2025 aus.
Diese massive Cash-Generierung wurde primär für eine beschleunigte Entschuldung der Bilanz genutzt (Deleveraging). Innerhalb von nur zwei Jahren reduzierte PALFINGER die Nettofinanzverbindlichkeiten um mehr als 200 Mio. EUR auf circa 425 Mio. EUR per Ende 2025. Die Verschuldungskennzahl Net Debt / EBITDA verbesserte sich von ehemals kritischen Werten über 2,5x auf extrem komfortable 1,58x Ende 2025 und steuert für 2026/2027 auf Werte unter 1,0x zu. Parallel dazu stieg die Eigenkapitalquote auf ein solides Fundament von rund 43,0 %.
Finanzanalyse, Branchen-KPIs & Bewertung
Historische Finanzanalyse & Performance-Evaluation (2021–2025 & Outlook)
Die fundamentale Finanzentwicklung von RELX über den Betrachtungszeitraum von 2021 bis 2025 unterstreicht die Transformation des Konzerns in eine hochgradig skalierbare, datengetriebene Analyse-Plattform. Trotz weltweiter makroökonomischer Herausforderungen, Zinssteigerungszyklen und geopolitischer Instabilitäten hat der Konzern über sämtliche Kernkennzahlen hinweg ein stetiges, verlässliches Wachstum erzielt.
Entwicklung der Ertragslage & Umsatzqualität
Der Konzernumsatz stieg von 7.244 Millionen GBP im Jahr 2021 auf 9.590 Millionen GBP im Jahr 2025. Dies entspricht einer absoluten Umsatzsteigerung von +32,4 % beziehungsweise einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von +7,3 %. Der wesentliche Treiber dieser Entwicklung war das stetige unterliegende organische Umsatzwachstum (underlying revenue growth), welches sich von +7 % im Jahr 2021 kontinuierlich auf +9 % im Jahr 2022 beschleunigte und in den Jahren 2023, 2024 und 2025 konstant auf dem hohen Niveau von +7 % gehalten werden konnte.
Die Umsatzqualität hat sich im selben Zeitraum weiter strukturell verbessert. Der Anteil elektronischer Formate an den Gesamterlösen kletterte auf 84 %, während der Anteil des margenschwächeren und schrumpfenden Printgeschäfts auf nur noch rund 4 % fiel. Der Anteil hochgradig planbarer wiederkehrender Umsätze (Abonnements und vertraglich gebundene volumetrische Transaktionen) liegt konstant bei über 93 %.
Profitabilitäts- & Margenanalyse
Die operative Profitabilität von RELX zeigte über die vergangenen fünf Jahre eine vorbildliche Dynamik. Der bereinigte operative Gewinn (Adjusted Operating Profit) wuchs von 2.210 Millionen GBP im Jahr 2021 auf 3.342 Millionen GBP im Jahr 2025. Dies entspricht einem Gesamtanstieg von +51,2 % und einer CAGR von +10,9 %. Da das operative Ergebnis deutlich schneller wuchs als der Umsatz, expandierte die bereinigte operative Gewinnmarge im Betrachtungszeitraum um insgesamt 430 Basispunkte von 30,5 % (2021) auf 34,8 % (2025).
Diese kontinuierliche Margenausweitung um rund 80 bis 90 Basispunkte pro Jahr ist das direkte Resultat der strategischen Zielvorgabe des Managements, das unterliegende Kostenwachstum konsequent unter dem unterliegenden Umsatzwachstum zu halten (Cost-Growth Discipline). Die operativen Skaleneffekte der digitalen Software-Plattformen erlauben es, zusätzliche Datenabfragen und neue KI-Services mit minimalen variablen Zusatzkosten abzuwickeln.
Das bereinigte Ergebnis je Aktie (Adjusted EPS) entwickelte sich dank der Kombination aus operativem Gewinnwachstum und der stetigen Reduktion der ausstehenden Aktienanzahl durch Aktienrückkäufe noch dynamischer: Es stieg von 87,6p im Jahr 2021 auf 128,5p im Jahr 2025, was einem währungsbereinigten jährlichen Wachstum von rund +10 % bis +17 % entspricht.
Finanzkennzahlen im historischen Überblick und Prognose (2021–2027E)
Die folgende Tabelle gibt einen detaillierten Überblick über die historischen Finanzkennzahlen von RELX für die Jahre 2021 bis 2025 sowie die Konsensprognosen für die Jahre 2026E und 2027E:
| Finanzkennzahl (in Mio. GBP, falls nicht anders angegeben) | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026E | 2027E |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz (Reported) | 7.244 | 8.553 | 9.161 | 9.434 | 9.590 | 10.180 | 10.850 |
| Unterliegendes Umsatzwachstum (%) | +7 % | +9 % | +8 % | +7 % | +7 % | +7,0 % | +6,8 % |
| EBITDA (Bereinigt) | 2.697 | 3.174 | 3.544 | 3.724 | 3.846 | 4.120 | 4.410 |
| EBITDA-Marge (%) | 37,2 % | 37,1 % | 38,7 % | 39,5 % | 40,1 % | 40,5 % | 40,6 % |
| Operativer Gewinn / EBIT (Bereinigt) | 2.210 | 2.683 | 3.030 | 3.199 | 3.342 | 3.615 | 3.890 |
| Bereinigte Operative Marge (%) | 30,5 % | 31,4 % | 33,1 % | 33,9 % | 34,8 % | 35,5 % | 35,9 % |
| Operativer Gewinn (Reported IFRS) | 1.884 | 2.323 | 2.682 | 2.861 | 3.027 | 3.310 | 3.580 |
| Nettoergebnis (Reported) | 1.471 | 1.634 | 1.785 | 1.934 | 2.065 | 2.280 | 2.490 |
| Bereinigtes Nettoergebnis | 1.710 | 2.001 | 2.235 | 2.241 | 2.358 | 2.560 | 2.780 |
| Bereinigtes EPS (in Pence) | 87,6p | 102,2p | 114,0p | 120,1p | 128,5p | 138,5p | 149,2p |
| Reported EPS (in Pence) | 76,3p | 85,2p | 94,1p | 103,6p | 112,6p | 123,4p | 133,6p |
| Dividende je Aktie (in Pence) | 49,8p | 54,6p | 58,8p | 63,0p | 67,5p | 72,3p | 77,5p |
| Freier Cashflow (FCF, Mio. GBP) | 1.780 | 1.960 | 2.015 | 2.126 | 2.313 | 2.520 | 2.740 |
| Adjusted Cash Flow Conversion (%) | 98 % | 96 % | 97 % | 97 % | 99 % | 98 % | 98 % |
| Kapitalrendite (ROIC, %) | 13,1 % | 13,8 % | 14,0 % | 14,8 % | 15,4 % | 16,1 % | 16,7 % |
| Eigenkapitalrendite (ROE, %) | >100 % | >100 % | >100 % | 181,2 % | 165,0 % | 150,0 % | 140,0 % |
| Gesamtkapitalrendite (ROA, %) | 10,2 % | 11,5 % | 12,1 % | 12,8 % | 13,5 % | 14,2 % | 14,8 % |
| Nettoverschuldung (Net Debt, Mio. GBP) | 6.010 | 6.580 | 6.420 | 6.563 | 7.201 | 7.850 | 8.100 |
| Net Debt / EBITDA | 2,2x | 2,1x | 2,0x | 1,8x | 2,0x | 1,9x | 1,8x |
| Financial Metric (in GBP million, unless stated otherwise) | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026E | 2027E |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Revenue (Reported) | 7,244 | 8,553 | 9,161 | 9,434 | 9,590 | 10,180 | 10,850 |
| Underlying Revenue Growth (%) | +7% | +9% | +8% | +7% | +7% | +7.0% | +6.8% |
| EBITDA (Adjusted) | 2,697 | 3,174 | 3,544 | 3,724 | 3,846 | 4,120 | 4,410 |
| EBITDA Margin (%) | 37.2% | 37.1% | 38.7% | 39.5% | 40.1% | 40.5% | 40.6% |
| Operating Profit / EBIT (Adjusted) | 2,210 | 2,683 | 3,030 | 3,199 | 3,342 | 3,615 | 3,890 |
| Adjusted Operating Margin (%) | 30.5% | 31.4% | 33.1% | 33.9% | 34.8% | 35.5% | 35.9% |
| Operating Profit (Reported IFRS) | 1,884 | 2,323 | 2,682 | 2,861 | 3,027 | 3,310 | 3,580 |
| Consolidated Net Profit (Reported) | 1,471 | 1,634 | 1,785 | 1,934 | 2,065 | 2,280 | 2,490 |
| Adjusted Net Profit | 1,710 | 2,001 | 2,235 | 2,241 | 2,358 | 2,560 | 2,780 |
| Adjusted EPS (in Pence) | 87.6p | 102.2p | 114.0p | 120.1p | 128.5p | 138.5p | 149.2p |
| Reported EPS (in Pence) | 76.3p | 85.2p | 94.1p | 103.6p | 112.6p | 123.4p | 133.6p |
| Dividend per Share (in Pence) | 49.8p | 54.6p | 58.8p | 63.0p | 67.5p | 72.3p | 77.5p |
| Free Cash Flow (FCF, GBP million) | 1,780 | 1,960 | 2,015 | 2,126 | 2,313 | 2,520 | 2,740 |
| Adjusted Cash Flow Conversion (%) | 98% | 96% | 97% | 97% | 99% | 98% | 98% |
| Return on Invested Capital (ROIC, %) | 13.1% | 13.8% | 14.0% | 14.8% | 15.4% | 16.1% | 16.7% |
| Return on Equity (ROE, %) | >100% | >100% | >100% | 181.2% | 165.0% | 150.0% | 140.0% |
| Return on Assets (ROA, %) | 10.2% | 11.5% | 12.1% | 12.8% | 13.5% | 14.2% | 14.8% |
| Net Debt (GBP million) | 6,010 | 6,580 | 6,420 | 6,563 | 7,201 | 7,850 | 8,100 |
| Net Debt / EBITDA | 2.2x | 2.1x | 2.0x | 1.8x | 2.0x | 1.9x | 1.8x |
Cashflow-Generierung & Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROIC / ROE / ROA)
Eine der bemerkenswertesten Eigenschaften der RELX-Finanzen ist die exzellente Cash-Conversion. Im Jahr 2025 konvertierte der Konzern 99 % seines bereinigten operativen Gewinns direkt in operativen Cashflow (nach 97 % im Jahr 2024). Der freie Cashflow (Free Cash Flow) stieg von 1.780 Millionen GBP (2021) auf 2.313 Millionen GBP im Jahr 2025 an.
Die Rendite auf das eingesetzte Kapital (Return on Invested Capital, ROIC) verbesserte sich stetig von 13,1 % im Jahr 2021 auf 15,4 % im Geschäftsjahr 2025. Dieser Anstieg belegt, dass das Management in der Lage ist, zusätzliches Kapital – sei es für organische F&E-Projekte oder für gezielte M&A-Käufe – zu Renditen weit oberhalb der gewichteten Gesamtkapitalkosten (WACC von ca. 7,0 % bis 7,5 %) anzulegen.
Die nach IFRS ausgewiesene Eigenkapitalrendite (Return on Equity, ROE) liegt bei rechnerisch extrem hohen Werten von über 160 % bis 181 %. Dieser extrem hohe Wert ist eine buchhalterische Besonderheit, die auf die langjährigen, umfangreichen Aktienrückkäufe sowie die Verrechnung von Goodwill aus historischen Akquisitionen mit dem Eigenkapital zurückzuführen ist, was die bilanzielle Eigenkapitalbasis künstlich niedrig hält. Wirtschaftlich aussagekräftiger ist daher die Gesamtkapitalrendite (Return on Assets, ROA), die kontinuierlich von 10,2 % (2021) auf 13,5 % (2025) anstieg.
Bilanzqualität, Kapitalstruktur & Working Capital Management
Verschuldungsgrad und Zinsänderungsrisiko
Die Bilanzstruktur von RELX zeichnet sich durch eine hohe Stabilität und ein konservatives Verschuldungsprofil aus. Zum 31. Dezember 2025 belief sich die Nettoverschuldung (Net Debt) auf 7.201 Millionen GBP (nach 6.563 Millionen GBP im Vorjahr). Die Zunahme der Nettoverschuldung resultiert im Wesentlichen aus der Durchführung des beschleunigten Aktienrückkaufprogramms in Höhe von 1,5 Milliarden GBP sowie Akquisitionsausgaben von 270 Millionen GBP.
In Relation zum bereinigten EBITDA lag der Verschuldungsgrad (Net Debt / EBITDA) Ende 2025 bei gesunden 2,0x (nach 1,8x Ende 2024). Dieser Wert befindet sich exakt am unteren Ende des vom Management angestrebten Korridors von 2,0x bis 2,5x Net Debt/EBITDA.
Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Nettoverschuldung aufgrund des zügig durchgeführten 2,25-Milliarden-GBP-Rückkaufprogramms temporär auf 8.733 Millionen GBP an, was einem Net Debt/EBITDA-Verhältnis von 2,3x entspricht. Durch die gewohnt starke Cashflow-Generierung in der zweiten Jahreshälfte wird erwartet, dass der Verschuldungsgrad bis zum Jahresende 2026 wieder in Richtung 1,9x absinkt.
| Bilanzielle Verschuldungskennzahl | 2023 | 2024 | 2025 | H1 2026 |
|---|---|---|---|---|
| Nettoverschuldung (Mio. GBP) | 6.420 | 6.563 | 7.201 | 8.733 |
| Net Debt / EBITDA | 2,0x | 1,8x | 2,0x | 2,3x |
| Durchschnittlicher Effektivzins auf Bruttoschulden | 4,4 % | 4,4 % | 3,9 % | 3,6 % |
| Bereinigter Nettozinsaufwand (Mio. GBP) | 314 | 296 | 283 | 138 |
| Zinsdeckungsgrad (EBITDA / Net Zinsen) | 11,3x | 12,6x | 13,6x | 14,4x |
| Balance Sheet Leverage Metric | 2023 | 2024 | 2025 | H1 2026 |
|---|---|---|---|---|
| Net Debt (GBP million) | 6,420 | 6,563 | 7,201 | 8,733 |
| Net Debt / EBITDA | 2.0x | 1.8x | 2.0x | 2.3x |
| Average Effective Interest Rate on Gross Debt | 4.4% | 4.4% | 3.9% | 3.6% |
| Adjusted Net Interest Expense (GBP million) | 314 | 296 | 283 | 138 |
| Interest Coverage Ratio (EBITDA / Net Interest) | 11.3x | 12.6x | 13.6x | 14.4x |
Das Zinsänderungsrisiko ist exzellent abgesichert. Trotz des weltweiten Zinsanstiegs sank der durchschnittliche effektive Zinssatz auf die Bruttowertverbindlichkeiten von RELX von 4,4 % im Jahr 2024 auf 3,9 % im Jahr 2025 und weiter auf 3,6 % im ersten Halbjahr 2026. Der bereinigte Zinsdeckungsgrad (EBITDA / Net Interest Expense) verbesserte sich dadurch von 11,3x im Jahr 2023 auf hervorragende 13,6x im Jahr 2025, was dem Konzern erstklassige Credit Ratings A3 (Moody’s) und A- (S&P) sichert.
Working Capital Management
Das Working Capital Management von RELX profitiert strukturell von den Besonderheiten des Subskriptionsmodells. Da Kunden im Segment STM (Elsevier) und Legal (LexisNexis) ihre jährlichen Abonnements im Voraus bezahlen, verfügt RELX über ein substanzielles negatives Nettumlaufvermögen (Negative Net Working Capital). Die Kunden finanzieren somit quasi das laufende Geschäft vor. Die Abgrenzungsposten für erhaltene Vorauszahlungen (Unearned / Deferred Revenue) stellen eine zinslose, hochstabile Finanzierungsquelle dar und garantieren eine risikofreie Liquiditätsplanung.
Multiples & Relative Bewertung (Peer Group Vergleich)
Zur Einwertung der Bewertung der RELX-Aktie heranzuziehen ist die globale Peer Group führender Informations-, Daten- und Analysedienstleister. Zu den direkten Vergleichsunternehmen zählen Thomson Reuters (Legal & Tax), Wolters Kluwer (Legal, Tax & Health), Verisk Analytics (Insurance & Risk Analytics), Experian (Credit & Fraud Analytics), Equifax sowie Informa PLC (Exhibitions).
Peer Group Bewertungstabelle
| Unternehmensname | Ticker / Börse | Marktkapitalisierung (Mio. GBP) | KGV / PE (2025) | KGV / PE (2026E) | EV / EBITDA (2025) | EV / EBIT (2025) | KBV / P/B (2025) | Dividendenrendite 2025 (%) | FCF Yield 2025 (%) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| RELX plc | REL LN (LSE) | 74.000 | 21,4x | 19,8x | 13,5x | 17,5x | 20,1x | 2,6 % | 3,8 % |
| Thomson Reuters | TRI TSX (TSX) | 52.500 | 28,4x | 26,6x | 15,5x | 20,5x | 3,5x | 1,8 % | 2,9 % |
| Wolters Kluwer | WKL NA (AEX) | 33.200 | 29,3x | 25,0x | 15,3x | 18,8x | 8,5x | 1,7 % | 3,5 % |
| Verisk Analytics | VRSK US (NASDAQ) | 32.800 | 28,3x | 25,5x | 16,5x | 21,0x | 12,0x | 0,7 % | 3,2 % |
| Experian PLC | EXPN LN (LSE) | 33.500 | 24,1x | 21,5x | 13,6x | 17,2x | 7,2x | 1,6 % | 3,9 % |
| Equifax Inc. | EFX US (NYSE) | 22.100 | 33,6x | 27,2x | 13,5x | 18,2x | 4,8x | 0,8 % | 2,7 % |
| Informa PLC | INF LN (LSE) | 11.200 | 18,5x | 16,2x | 11,5x | 14,2x | 1,8x | 2,2 % | 5,2 % |
| Peer-Group-Median | – | – | 28,3x | 25,0x | 14,4x | 18,2x | 6,0x | 1,7 % | 3,5 % |
| Company Name | Ticker / Exchange | Market Capitalisation (GBP million) | P/E (2025) | P/E (2026E) | EV / EBITDA (2025) | EV / EBIT (2025) | P/B (2025) | Dividend Yield 2025 (%) | FCF Yield 2025 (%) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| RELX plc | REL LN (LSE) | 74,000 | 21.4x | 19.8x | 13.5x | 17.5x | 20.1x | 2.6% | 3.8% |
| Thomson Reuters | TRI TSX (TSX) | 52,500 | 28.4x | 26.6x | 15.5x | 20.5x | 3.5x | 1.8% | 2.9% |
| Wolters Kluwer | WKL NA (AEX) | 33,200 | 29.3x | 25.0x | 15.3x | 18.8x | 8.5x | 1.7% | 3.5% |
| Verisk Analytics | VRSK US (NASDAQ) | 32,800 | 28.3x | 25.5x | 16.5x | 21.0x | 12.0x | 0.7% | 3.2% |
| Experian PLC | EXPN LN (LSE) | 33,500 | 24.1x | 21.5x | 13.6x | 17.2x | 7.2x | 1.6% | 3.9% |
| Equifax Inc. | EFX US (NYSE) | 22,100 | 33.6x | 27.2x | 13.5x | 18.2x | 4.8x | 0.8% | 2.7% |
| Informa PLC | INF LN (LSE) | 11,200 | 18.5x | 16.2x | 11.5x | 14.2x | 1.8x | 2.2% | 5.2% |
| Peer Group Median | – | – | 28.3x | 25.0x | 14.4x | 18.2x | 6.0x | 1.7% | 3.5% |
Interpretation der Multiples & Historisches Bewertungsband
Ein Blick auf die relativen Bewertungsmultiplikatoren zeigt, dass RELX im Vergleich zur globalen Peer Group mit einem attraktiven Bewertungsabschlag gehandelt wird, obwohl das qualitative Fundament (ROIC, Cash Conversion, KI-Monetarisierung) zu den besten der Branche zählt:
- Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV / P/E): Mit einem trailing KGV von 21,4x und einem geschätzten Forward-KGV (2026E) von 19,8x notiert RELX spürbar unter den US- und europäischen Hauptwettbewerbern Thomson Reuters (28,4x FY25), Wolters Kluwer (29,3x FY25) und Verisk Analytics (28,3x FY25). Der Median der Peer Group liegt bei 28,3x für 2025.
- Unternehmenswert zu EBITDA (EV/EBITDA): Auf EV/EBITDA-Basis liegt RELX mit 13,5x für 2025 ebenfalls unter dem Peer-Group-Durchschnitt von 14,4x bis 15,5x. Auch im historischen Vergleich der eigenen Bewertungsbänder (3-Jahres-Durchschnitt EV/EBITDA bei ca. 15,5x bis 17,0x) weist die Aktie derzeit ein moderates Bewertungsaufgeld auf, was Raum für ein multiples Re-Rating lässt.
- Dividenden- und FCF-Rendite: Mit einer Dividendenrendite von rund 2,6 % und einer FCF-Rendite von 3,8 % bietet RELX eine im Vergleich zu Thomson Reuters (1,8 %) und Wolters Kluwer (1,7 %) überlegene laufende Rendite bei gleichzeitig robusterer FCF-Abdeckung.
Aktientreiber & Newsflow der letzten 12 Monate
Die Kursentwicklung der RELX-Stammaktie an der London Stock Exchange (LSE: REL) wies über die vergangenen 12 Monate eine Bewegung innerhalb einer 52-Wochen-Spannweite von 1.991p bis 3.575p auf. Die wesentlichen Volatilitätsschübe und Trendwenden des Aktienkurses lassen sich präzise auf spezifische fundamentale Ereignisse und makroökonomische Strömungen zurückführen:
| Zeitraum / Datum | Ereignis / Catalyst | Kursreaktion |
|---|---|---|
| Q4 2024 / Q1 2025 | Generative AI Disruption Scare – Marktsorgen über LLM-Startups & OpenAI. | Kursdruck (-8 % bis -11 %), branchenweiter Abverkauf. |
| 12. Februar 2026 | Veröffentlichung FY 2025 Ergebnisse – Underlying Revenue +7 %, EBIT +9 %, Buyback auf 2,25 Mrd. GBP aufgestockt. | Starke Erholung (+4 % bis +6 %), Beseitigung von KI-Skepsis am Markt. |
| 22. April 2026 | Q1 2026 Trading Update – Reaffirmation des Ganzjahresausblicks über alle 4 Segmente hinweg. | Stabilisierung auf hohem Niveau. |
| 22. Juli 2026 | Veröffentlichung H1 2026 Ergebnisse – Underlying Revenue +7 %, Adj EPS +11 % (CC), Interim Dividend +7 % auf 20,9p. | Kursplus (+3 % bis +5 %), Aktie durchbricht 200-Tage-Durchschnitt nach oben. |
Zuordnung der Kursausschläge zu konkreten Events
- Das „AI-Disruption Scare“ Phänomen (Q4 2024 – Anfang 2025): In den späten Monaten des Jahres 2024 und zu Beginn des Jahres 2025 kam es im gesamten Markt für rechtliche und wissenschaftliche Datenverlage zu einer Welle von Verkäufen. Der Grund lag in Ängsten von Investoren, dass neu veröffentlichte KI-Workflow-Tools von Big-Tech-Konzernen und aufstrebenden LegalTech-Startups die etablierten Recherche-Plattformen bedrohen könnten. Die Aktien von RELX und Wolters Kluwer gaben in dieser Phase phasenweise um bis zu 11 % nach.
- Fundamentale Befreiung durch die FY2025 Jahresergebnisse (12. Februar 2026): Die Präsentation der Zahlen für das Gesamtjahr 2025 entkräftete die Disruptionsthese eindrucksvoll. RELX berichtete ein unterliegendes Umsatzwachstum von +7 % auf 9.590 Mio. GBP und einen Anstieg des operativen Gewinns um +9 %. Besonders das Legal-Segment stach mit +9 % Umsatz- und +12 % Gewinnwachstum hervor, getrieben durch die hohe Akzeptanz des KI-Assistenten Lexis+ AI. Die zeitgleiche Ankündigung, das Aktienrückkaufprogramm für 2026 auf 2,25 Milliarden GBP aufzustocken und die Dividende um +7 % auf 67,5p zu heben, führte zu einem kräftigen Kurssprung und läutete eine Trendwende ein.
- Bestätigung des Wachstums im Q1 2026 Trading Update (22. April 2026): Das Management bestätigte im Frühjahr ein anhaltend starkes Momentum über alle vier Segmente hinweg. Investoren würdigten insbesondere die Widerstandsfähigkeit des Risk-Segments gegenüber wechselnden makroökonomischen Bedingungen.
- Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 lösen Befreiungsschlag aus (22. Juli 2026): Die Halbjahresergebnisse 2026 lieferten den endgültigen Nachweis der KI-Monetarisierungskraft. Ein Anstieg des bereinigten EPS um +11 % (bei konstanten Wechselkursen) auf 68,6p und ein unterliegendes Umsatzwachstum von erneut +7 % übertrafen die Erwartungen der Analysten. Die Aktie kreuzte in der Folge souverän ihre 200-Tage-Linie nach oben. Der Newsflow der vergangenen 12 Monate belegt eindrucksvoll: Generative KI ist für RELX kein existenzielles Risiko, sondern der stärkste operative Kurstreiber seit Jahrzehnten.
Investment-Szenarien, Katalysatoren, Risiken & iMaps Fazit
Um eine fundamentale Entscheidung über die RELX-Aktie treffen zu können, ist eine differenzierte, vielschichtige Analyse sowohl der ausgeprägten Chancen-Potenziale als auch der realen Risikofaktoren unerlässlich. Das nachfolgende Kapitel stellt die Bullen- und Bären-Perspektive detailliert gegeneinander.
Szenario 1: Die Bullen-Perspektive – Warum RELX heute gekauft werden sollte
Die Investment-Argumentation für einen sofortigen Kauf der RELX-Aktie stützt sich auf eine außergewöhnliche Kombination aus operativer Exzellenz, strukturellem Rückenwind durch generative künstliche Intelligenz und einer im Branchenvergleich attraktiven relativen Bewertung.
1. Erstklassige Qualität und historische Performance-Metriken
In den vergangenen fünf Geschäftsjahren hat RELX seine Rolle als verlässlicher Zinseszins-Motor (Compounding Machine) eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Der Konzern steigerte den Gesamtumsatz von 7.244 Mio. GBP (2021) auf 9.590 Mio. GBP (2025) und das bereinigte EBITDA von 2.697 Mio. GBP auf 3.846 Mio. GBP. Der freie Cashflow wuchs parallel von 1.780 Mio. GBP auf 2.313 Mio. GBP. Das bereinigte Ergebnis je Aktie (Adjusted EPS) stieg von 87,6p auf 128,5p, was eine jährliche Steigerungsrate im zweistelligen Bereich bedeutet.
Gleichzeitig belegt die Entwicklung der Gesamtkapitalrendite (ROA) von 10,2 % im Jahr 2021 auf 13,5 % im Jahr 2025 sowie der Anstieg des ROIC von 13,1 % auf 15,4 % eine kontinuierliche Zunahme der Kapitaleffizienz. Der Konzern erwirtschaftet eine Rendite auf das eingesetzte Kapital, die seine gewichteten Kapitalkosten (WACC von ca. 7,0–7,5 %) um mehr als das Doppelte übertrifft.
2. Ausprägung des Bewertungsabschlags gegenüber der Peer Group
Trotz dieser fundamentalen Überlegenheit weist die RELX-Aktie auf Basis der wesentlichen Bewertungskennzahlen einen spürbaren Bewertungsabschlag im Vergleich zu ihren direkten Mitbewerbern auf:
- Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Für das Geschäftsjahr 2025 wird RELX mit einem KGV von 21,4x und für 2026E mit einem Forward-KGV von 19,8x gehandelt. Demsteht ein Peer-Group-Median von 28,3x (2025) und 25,0x (2026E) gegenüber. US-Branchenführer wie Thomson Reuters (28,4x FY25) oder Verisk Analytics (28,3x FY25) sowie der europäische Hauptkonkurrent Wolters Kluwer (29,3x FY25) werden mit Aufschlägen von 30 % bis 35 % gegenüber RELX gehandelt.
- Unternehmenswert zu EBITDA (EV/EBITDA): Mit einem EV/EBITDA-Multiple von 13,5x für 2025 liegt RELX signifikant unter dem Schnitt der Vergleichsgruppe (14,4x bis 16,5x).
- Verschuldungsgrad & EV/EBIT: Auf Basis von EV/EBIT wird RELX mit 17,5x gehandelt (Peer Median: 18,2x). Die Verschuldungskennzahl Nettoverschuldung/EBITDA von 2,0x (2025) unterstreicht zudem, dass dieser Bewertungsabschlag keineswegs durch ein erhöhtes bilanzielles Risiko verursacht wird.
3. Besondere Entwicklungen in den Geschäftsberichten & Strategische Umstrukturierung
Wer die Geschäftsberichte der vergangenen Jahre analysiert, erkennt eine bemerkenswerte, disziplinierte Evolution des Geschäftsmodells:
- Vollständige Entflechtung der Konzernstruktur (2018): Die historische duale Holdingstruktur (Reed Elsevier NV in Amsterdam und Reed Elsevier PLC in London) wurde in eine transparente, vereinfachte Rechtseinheit (RELX PLC) überführt. Dies führte zu einer drastischen Senkung der Verwaltungs- und Befolgungskosten sowie zur Erhöhung der Index-Gewichtung im FTSE 100.
- Radikale Portfolio-Bereinigung: Der systematische Verkauf von zyklischen Printmagazinen, Tageszeitungen und unprofitablen Werbeblättern wurde konsequent durchgezogen. Print trägt heute nur noch unbedeutende 4 % zum Konzernumsatz bei.
- Monetarisierungssprung durch „Value-Based Pricing“: In den jüngsten Jahresberichten zeigt sich ein veränderter Schwerpunkt im Vertrieb: Anstatt Software-Lizenzen nur pauschal nach der Anzahl der Nutzerköpfe (Per-Seat Pricing) zu verkaufen, etabliert RELX zunehmend wertbasierte Preismodelle (Value-Based Pricing) für KI-Plattformen wie Lexis+ AI und ClinicalKey AI. Da Anwälte und Ärzte durch diese Werkzeuge messbar Arbeitsstunden einsparen, zahlt die Kundschaft signifikante Preisaufschläge, was direkt in die operative Marge durchschlägt.
4. Potenzielle Katalysatoren für eine Multiple-Expansion (Re-Rating)
Mehrere operative Faktoren könnten in den nächsten 12 bis 24 Monaten zu einer Neubewertung der Aktie führen:
- Beschleunigung des organischen Umsatzwachstums auf 8 %+: Sollte die Marktdurchdringung von Lexis+ AI im Legal-Segment (Umsatzwachstum 2025 bereits bei +9 %) und die Expansion der Betrugserkennung im Risk-Segment das konzernweite unterliegende Umsatzwachstum dauerhaft von 7 % auf 8 % oder mehr anheben, wird der Markt RELX ein KGV-Multiple zugestehen müssen, das näher an Wolters Kluwer (ca. 25x–28x) heranreicht.
- Massive Aktienrückkäufe als EPS-Booster: Die Ankündigung, das Aktienrückkaufprogramm im Jahr 2026 auf 2,25 Milliarden GBP auszuweiten (was etwa 3 % des gesamten Grundkapitals entspricht), schafft eine künstliche Nachfrage und treibt das EPS-Wachstum verlässlich in Richtung 10 % bis 12 % p.a..
- Entkräftung der KI-Disruptionsthese: Sobald der breite Markt endgültig realisiert, dass generative KI für RELX kein Ertragsrisiko, sondern ein Margenbeschleuniger ist, dürfte das marktbreite Bewertungsdefizit zügig abgebaut werden. Diese Katalysatoren sind im aktuellen Aktienkurs bei einem KGV von knapp 20x für 2026E nur teilweise eingepreist.
Szenario 2: Die Bären-Perspektive – Warum Sie die Aktie heute nicht kaufen sollten
Obwohl das Qualitätsprofil von RELX unbestritten ist, gibt es handfeste fundamentale, regulatorische und bewertungstechnische Argumente, die gegen einen Neuinstieg auf dem aktuellen Kursniveau sprechen.
1. Anforderung an die Perfektion & Erwartungshaltung des Marktes
Die Erwartungs-Messlatte für RELX liegt bei Analysten und institutionellen Anlegern extrem hoch. Der Marktkonsens prognostiziert für die Jahre 2026E und 2027E ein unterliegendes Umsatzwachstum von ca. 6,8 % bis 7,0 % p.a., ein Ansteigen des bereinigten EBIT auf 3,62 Mrd. GBP beziehungsweise 3,89 Mrd. GBP sowie einen Zuwachs beim bereinigten EPS auf 138,5p (2026E) und 149,2p (2027E).
| Kennzahl | FY 2025 (Ist) | FY 2026E (Konsens) | FY 2027E (Konsens) |
|---|---|---|---|
| Umsatz (Mio. GBP) | 9.590 | 10.180 | 10.850 |
| Underlying Growth (%) | +7,0 % | +7,0 % | +6,8 % |
| Bereinigtes EBIT (Mio. GBP) | 3.342 | 3.615 | 3.890 |
| Operative Marge (%) | 34,8 % | 35,5 % | 35,9 % |
| Bereinigtes EPS (Pence) | 128,5p | 138,5p | 149,2p |
| Freier Cashflow (Mio. GBP) | 2.313 | 2.520 | 2.740 |
| Metric | FY 2025 (Actual) | FY 2026E (Consensus) | FY 2027E (Consensus) |
|---|---|---|---|
| Revenue (GBP million) | 9,590 | 10,180 | 10,850 |
| Underlying Growth (%) | +7.0% | +7.0% | +6.8% |
| Adjusted EBIT (GBP million) | 3,342 | 3,615 | 3,890 |
| Operating Margin (%) | 34.8% | 35.5% | 35.9% |
| Adjusted EPS (Pence) | 128.5p | 138.5p | 149.2p |
| Free Cash Flow (GBP million) | 2,313 | 2,520 | 2,740 |
Diese Prognosen lassen keinerlei Raum für operative Ausrutscher. Sollte das organische Wachstum in einem der Kernsegmente (beispielsweise bedingt durch Budgetkürzungen bei US-Anwaltskanzleien oder einer Verlangsamung im Versicherungsgeschäft) nur leicht auf 4 % bis 5 % zurückfallen, droht der Aktie eine empfindliche Multiple-Kontraktion.
2. Absolute Bewertung im Vergleich zum breiten Gesamtmarkt
Während RELX im Vergleich zu extrem teuren Konkurrenten wie Thomson Reuters optisch günstig wirkt, ist die Aktie im Vergleich zum europäischen und britischen Gesamtmarkt anspruchsvoll bewertet. Mit einem KGV von 21,4x weist RELX ein erhebliches Bewertungsaufgeld gegenüber dem FTSE 100 Index (Durchschnitts-KGV ca. 12x bis 14x) und dem STOXX Europe 600 (ca. 14x) auf. Investoren zahlen eine hohe „Qualitätsprämie“. Sollten globale Zinsen länger auf erhöhtem Niveau verharren, könnten Wachstumsaktien mit hohen Bewertungskennzahlen unter Druck geraten, da die Abzinsungsfaktoren für zukünftige Cashflows steigen.
3. Regulatorische Gefahren im Wissenschaftssegment (STM / Elsevier)
Das Segment Scientific, Technical & Medical (Elsevier) steuert mit 2,71 Mrd. GBP Umsatz und 1,04 Mrd. GBP EBIT mehr als 30 % zum Konzerngewinn bei und weist eine operative Marge von herausragenden 38,1 % auf. Dieses Segment steht jedoch unter dauerhaftem politischem und regulatorischem Beschuss:
- Verschärfung von Open-Access-Mandaten: Staatliche Förderorganisationen in den USA (OSTP/White House Policy) und Europa (Plan S) fordern, dass alle mit Steuergeldern finanzierten Forschungsergebnisse sofort nach Erscheinen kostenfrei für die Öffentlichkeit zugänglich sein müssen.
- Druck auf Autorengeschäftskosten (APCs): Während Elsevier versucht, den Ausfall von Zeitschriften-Abonnements durch Publikationsgebühren (Article Processing Charges, APCs) aufzuholen, regt sich an Universitäten massiver Widerstand gegen die gebührenpflichtige Einreichung von Artikeln. Sollte der Gesetzgeber die Veröffentlichungsmargen deckeln oder Universitäten geschlossene Konsortialverträge kündigen, droht Elsevier eine strukturelle Verlangsamung des Gewinnwachstums.
4. Technologische Disruption & Open-Source-Konkurrenz
Auch wenn die Argumente der Bullen bezüglich der Halluzinationsfreiheit von Lexis+ AI stichhaltig sind, darf das Risiko durch Open-Source-LLMs nicht vernachlässigt werden. Leistungsfähige, lizenzfreie KI-Modelle (wie Llama von Meta oder neue spezialisierte LegalTech-SaaS-Anbieter) entwickeln sich mit rasender Geschwindigkeit weiter. Großkanzleien und Konzerne könnten mittelfristig eigene, interne KI-Agenten auf Basis eigener Dokumentenarchive aufbauen, wodurch die Zahlungsbereitschaft für teure externe Lizenzen von LexisNexis sinken könnte.
5. Datenschutz und Zinsrisiko im Risk-Segment
Im Segment Risk analysiert RELX vertrauliche Konsumenten-, Finanz- und Transaktionsdaten. Neue, strengere Datenschutzgesetze (wie die Ausweitung des CCPA in den USA oder neue EU-Richtlinien zur Regulierung digitaler Identitätsnetze) könnten das Scraping und Verknüpfen von Drittanbieter-Daten erschweren oder verbieten. Zudem stieg die Nettoverschuldung im ersten Halbjahr 2026 durch das massive Aktienrückkaufprogramm temporär auf 8,73 Mrd. GBP beziehungsweise 2,3x Net Debt/EBITDA an. In einem Szenario anhaltend hoher Refinanzierungszinsen könnte dieser Schuldenstand die Zinsbelastung erhöhen und den Spielraum für zukünftige Dividendensteigerungen einengen.
iMaps Fazit
Das iMaps Fazit gibt eine klare, auf harten Fakten basierende Bewertung der RELX-Aktie ab. Bei der Einstufung legen wir das geforderte strenge Verteilungsraster für ein Universum börsennotierter Unternehmen zugrunde (5 % Stark Übergewichten, 15 % Übergewichten, 60 % Neutral, 20 % Untergewichten).
| Kriterium | Bewertung | Fundamentale Begründung |
|---|---|---|
| Geschäftsmodell-Qualität | Exzellent | 34,8 % Marge, 99 % Cash Conversion, planbare wiederkehrende Erlöse (>93 %). |
| Wettbewerbsgraben (Moat) | Breit & Tief | Propriitäre Daten, hohe Wechselkosten, KI als Burggraben-Verstärker. |
| Bilanz & Kapitalallokation | Sehr Stark | 2,0x Net Debt/EBITDA, ROIC von 15,4 %, 2,25 Mrd. GBP Buyback. |
| Relativ-Bewertung | Attraktiv | KGV 21,4x (FY25) vs. Peer-Median 28,3x (30 % Abschlag zu Wolters Kluwer/TRI). |
| Erwartungshaltung | Hoch | Markt verlangt makellose Exekution bei ~7 % organischem Wachstum. |
| Empfehlung | ÜBERGEWICHTEN (OVERWEIGHT) | – |
| Prozentrang-Kategorie | Top 15 % aller analysierten Aktien | – |
| Kriterium | Bewertung | Fundamentale Begründung |
|---|---|---|
| Geschäftsmodell-Qualität | Exzellent | 34,8 % Marge, 99 % Cash Conversion, planbare wiederkehrende Erlöse (>93 %). |
| Wettbewerbsgraben (Moat) | Breit & Tief | Propriitäre Daten, hohe Wechselkosten, KI als Burggraben-Verstärker. |
| Bilanz & Kapitalallokation | Sehr Stark | 2,0x Net Debt/EBITDA, ROIC von 15,4 %, 2,25 Mrd. GBP Buyback. |
| Relativ-Bewertung | Attraktiv | KGV 21,4x (FY25) vs. Peer-Median 28,3x (30 % Abschlag zu Wolters Kluwer/TRI). |
| Erwartungshaltung | Hoch | Markt verlangt makellose Exekution bei ~7 % organischem Wachstum. |
| Empfehlung | ÜBERGEWICHTEN (OVERWEIGHT) | – |
| Prozentrang-Kategorie | Top 15 % aller analysierten Aktien | – |
Konkrete Empfehlung und Begründung
Unter Berücksichtigung aller in den vier Kapiteln dieser Initial-Coverage-Studie herausgearbeiteten Fakten stufen wir die Aktie von RELX plc zum aktuellen Kursniveau als ÜBERGEWICHTEN ein. Im Rahmen der vorgegebenen Verteilungssystematik ordnen wir RELX damit in die Top 15 % der attraktivsten Werte des weltweiten Aktienuniversums ein.
Die Begründung für diese Einstufung stützt sich auf folgende Kernpunkte:
- Außergewöhnliche Qualität des Geschäftsmodells: RELX erfüllt sämtliche Kriterien eines echten „Wonderful Business“ im Sinne von Warren Buffett. Eine operative Marge von 34,8 %, eine Free Cashflow Conversion von 99 % sowie ein ROIC von 15,4 % stellen die absolute Spitze europäischen und globalen Software- und Datensektors dar.
- KI als Wachstumskatalysator statt Disruptionsobjekt: Das Management hat gezeigt, dass generative KI das bestehende Geschäftsmodell nicht gefährdet, sondern das organische Umsatzwachstum von historischen 3–4 % dauerhaft auf 7 % beschleunigt hat. Die Monetarisierung von KI-Assistenten via Value-Based Pricing eröffnet nachhaltige Preissetzungsmacht.
- Ansprechende relative Unterbewertung: Während vergleichbare Qualitätsmonopole wie Wolters Kluwer, Thomson Reuters oder Verisk Analytics mit KGV-Multiples von 28x bis 29x gehandelt werden, ist RELX mit einem KGV von 21,4x für 2025 und 19,8x für 2026E historisch und relativ gesehen attraktiv bewertet. Der Markt gewährt der Aktie derzeit ein unberechtigtes Bewertungsdefizit, das Raum für ein deutliches Re-Rating durch die Börse bietet.
- Hervorragende Aktionärsrendite: Das Management agiert als vorbildlicher Sachwalter des Kapitals. Die Kombination aus einer Dividendenrendite von 2,6 % (mit jährlich +7 % Steigerung) und einem gigantischen Aktienrückkaufprogramm von 2,25 Milliarden GBP für 2026 garantiert eine kontinuierliche, vom Makro-Umfeld weitgehend unabhängige Wertgenerierung für den Anleger.
Warum reicht es nicht ganz für die Kategorie „Stark Übergewichten“ (Top 5 %)? Für die absolute Höchsteinstufung („Stark Übergewichten“) verhindern die hohen Erwartungen des Marktes an das anhaltend fehlerfreie organische Wachstum sowie die latenten politischen und regulatorischen Risiken im Wissenschaftssegment (Elsevier / Open Access) den allerletzten Ausschlag.
Dennoch ist das Chance-Risiko-Verhältnis für den langfristig orientierten Investor außergewöhnlich günstig. RELX gehört in jedes qualitativ ausgerichtete Kernportfolio und ist ein klarer Kaufkandidat mit dem Votum ÜBERGEWICHTEN.





