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Opera Limited: KI-Turbo und Dividenden-Perle oder riskante China-Wette?

Opera Limited steht im Spannungsfeld zwischen technologischer Erneuerung und geopolitischer Komplexität: Mit verstärktem Fokus auf künstliche Intelligenz, Suchmonetarisierung und werbebasierten Erlösströmen hat der Browser-Veteran neue Wachstumstreiber entwickelt. Gleichzeitig bietet das Dividendenniveau eine seltene Renditekomponente im Tech-Segment.
Opera Ltd Aktien Blog

Während die großen Tech-Giganten von Allzeithoch zu Allzeithoch eilen, bleibt ein Internet-Pionier der ersten Stunde fast unbemerkt auf der Strecke – zumindest, was den Aktienkurs angeht. Dabei liefert Opera Limited (NASDAQ: OPRA) operativ Zahlen, die jeden Wachstumsinvestoren hellhörig machen müssten. Wir haben die „neue“ Opera unter die Lupe genommen und klären, ob der aktuelle Kursrücksetzer eine Jahrhundertchance für Value-Investoren ist oder ob die Risiken der Eigentümerstruktur überwiegen.

Von der Redaktion

Der Name Opera weckt bei vielen Internetnutzern der 90er Jahre nostalgische Gefühle. Doch wer das Unternehmen heute als bloßen Browser-Hersteller abtut, verkennt eine der spannendsten Transformationsgeschichten im Tech-Sektor. Das in Oslo ansässige Unternehmen hat sich unter der Führung des chinesischen Milliardärs James Yahui Zhou radikal gewandelt: Weg vom reinen Werkzeug, hin zu einer hochprofitablen, KI-gestützten Werbe- und Content-Plattform.

Operative Exzellenz trifft auf Kurs-Tristesse

Die Diskrepanz bei Opera könnte kaum größer sein. In den letzten 12 Monaten verlor die Aktie rund 24 % bis 26 % an Wert, während der S&P 500 im gleichen Zeitraum zweistellig zulegte. Seit Jahresbeginn 2026 setzt sich dieser Trend mit einem Minus von rund 5 % fort. Ein Blick in die Bücher zeigt jedoch ein völlig anderes Bild: Im dritten Quartal 2025 steigerte Opera den Umsatz um 23 % auf 151,9 Mio. USD und übertraf damit erneut die eigenen Prognosen.

Besonders beeindruckend ist die Entwicklung der Profitabilität. Mit einer bereinigten EBITDA-Marge von 24 % und einem freien Cashflow, der im dritten Quartal 2025 bei 21,3 Mio. USD lag, agiert Opera auf einem Effizienzniveau, von dem viele SaaS-Unternehmen nur träumen können. Die Cash-Reserven belaufen sich auf solide 119 Mio. USD bei minimaler Verschuldung.

Die Equity Story: Klasse statt Masse

Operas Erfolgsgeheimnis liegt in einer konsequenten Nischenstrategie. Statt frontal gegen Google Chrome oder Apples Safari anzutreten, fokussiert sich das Management auf Nutzergruppen mit hohem ökonomischem Wert. Der „Gaming-Browser“ Opera GX ist hier das Prunkstück: Mit 33 Millionen monatlich aktiven Nutzern (MAU) bedient er eine loyale Zielgruppe, die für Werbetreibende aufgrund ihrer hohen Kaufkraft äußerst attraktiv ist.

Dies spiegelt sich im durchschnittlichen Umsatz pro Nutzer (ARPU) wider. Dieser stieg im dritten Quartal 2025 auf 2,13 USD – ein sattes Plus von 28 % gegenüber dem Vorjahr. Opera hat verstanden, dass im modernen Web Advertising der Schlüssel zum Erfolg liegt. Heute macht das Werbegeschäft („Opera Ads“) bereits 63 % des Gesamtumsatzes aus, während die klassischen Sucherlöse (Search/Query) zwar stabil wachsen, aber anteilig zurückgehen.

Der KI-Faktor: Aria und Neon als neue Treiber

Opera positioniert sich aggressiv als „Agentic AI Company“. Die Integration der KI-Engine „Aria“ direkt in den Browser ermöglicht es dem Unternehmen, Nutzeranfragen auf eine Weise zu monetarisieren, die über klassische Suchanzeigen hinausgeht. Mit der Einführung von „Opera Neon“, einem agentenbasierten Browser für Power-User, testet das Unternehmen zudem erstmals ein Premium-Abonnementmodell (ca. 19,90 USD/Monat), das die Abhängigkeit vom Werbemarkt verringern könnte.

Zusätzlich profitiert Opera massiv von regulatorischen Änderungen in der EU. Der Digital Markets Act (DMA) verpflichtet Gatekeeper wie Apple, Browser-Auswahlbildschirme anzuzeigen. Opera meldete daraufhin eine Verdreifachung der täglichen aktiven iOS-Nutzer in Europa innerhalb von zwei Jahren – in manchen Märkten stiegen die Installationen sogar um das Fünffache .

Die Bewertung: Ein schlechter Witz?

Betrachtet man die fundamentalen Kennzahlen, wirkt die Opera-Aktie fast absurd günstig. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (P/E) für 2026 liegt bei etwa 8,7x bis 12x. Zum Vergleich: Der breite Tech-Sektor wird oft mit einem P/E von über 40x gehandelt. Das Unternehmen weist zudem ein EV/EBITDA-Multiple von lediglich 8,3x auf.

Für Einkommensinvestoren ist die Aktie zudem eine wahre Dividendenperle. Opera zahlt eine halbjährliche Dividende von 0,40 USD pro Aktie. Auf das Jahr gerechnet ergibt dies 0,80 USD, was beim aktuellen Kurs einer Rendite von über 5,8 % entspricht. In Spitzenzeiten kletterte diese Rendite aufgrund des gefallenen Kurses sogar auf über 8 %. Dass ein Wachstumsunternehmen mit 25 % Umsatzplus gleichzeitig eine solche Dividende zahlt und zudem massiv eigene Aktien zurückkauft, ist am Markt eine Seltenheit.

Warum die Aktie dennoch kämpft: Die China-Frage

Warum also greifen die Anleger nicht massenhaft zu? Die Antwort liegt in der Eigentümerstruktur und der Geschichte des Unternehmens. Opera ist zu fast 70 % im Besitz von Kunlun Tech, einem chinesischen Unternehmen, das vom Milliardär James Yahui Zhou kontrolliert wird.

Dieses „China-Exposure“ führt zu einem massiven Bewertungsabschlag. Investoren fürchten geopolitische Risiken, US-Sanktionen oder eine Einmischung durch Regulatoren wie den CFIUS – eine Sorge, die durch die Geschichte der App „Grindr“ (die Kunlun auf Druck der US-Regierung verkaufen musste) befeuert wird. Hinzu kommen alte Vorwürfe des Short-Sellers Hindenburg Research aus dem Jahr 2020 bezüglich undurchsichtiger Kreditanwendungen in Afrika und Related-Party-Transaktionen. Auch wenn Opera diese Vorwürfe weitgehend entkräften konnte und das operative Geschäft glänzt, bleibt ein Misstrauen in die Corporate Governance bestehen.

Ein weiteres technisches Hindernis ist das hohe Short-Interest. Rund 22 % der frei handelbaren Aktien (Float) sind leerverkauft. Dies erzeugt konstanten Verkaufsdruck, bietet aber gleichzeitig das Potenzial für einen massiven „Short Squeeze“, sollte ein positiver Katalysator den Markt zum Umdenken bewegen.

Fazit: Mut wird belohnt – mit Risikopuffer

Opera Limited ist derzeit die vielleicht günstigste Wachstumsaktie im Software-Sektor. Wer an die Unabhängigkeit des Managements und die Fortsetzung der ARPU-Steigerung glaubt, findet hier ein Unternehmen mit exzellenter Bilanz, zweistelligem Wachstum und einer Dividendenrendite, die ihresgleichen sucht. Analysten von Banken wie Piper Sandler oder Goldman Sachs sehen Kursziele zwischen 23,00 USD und 33,00 USD – was ein Aufwärtspotenzial von bis zu 140 % bedeuten würde.

Dennoch ist Opera kein Investment für Witwen und Waisen. Die Aktie bleibt eine spekulative Wette auf die Entkoppelung von operativer Leistung und geopolitischer Wahrnehmung. Unsere Einschätzung: Für risikofreudige Anleger ist das aktuelle Niveau bei rund 13,50 USD eine attraktive Einstiegsgelegenheit. Die Dividende fungiert dabei als komfortabler „Zins“ für das Warten auf die Markt-Neubewertung. Vorsichtige Anleger warten eine Bodenbildung ab, da der technische Abwärtstrend noch intakt ist.

Zusammenfassung der Kennzahlen (Stand Jan. 2026):

  • Kurs: 13,46 USD
  • KGV (erwartet 2026): ca. 8,7x
  • Dividendenrendite: ca. 5,9 % bis 8,8 %
  • Umsatzwachstum 2025e: 25 %
  • Analysten-Konsens: Moderate Buy / Strong Buy
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